5G in DACH 2026: Vier Netze, drei Länder, ein unvollständiges Bild
Sieben Jahre nach der ersten Frequenzauktion zeigt der 5G-Ausbau in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein gemischtes Bild — Standalone-Kerne, weiße Flecken und ein vierter deutscher Netzbetreiber im Aufbau.
Sieben Jahre nach der ersten 3,6-GHz-Auktion
Die Versteigerung der 5G-Frequenzen im 2-GHz- und 3,6-GHz-Band durch die Bundesnetzagentur im Frühjahr 2019 brachte dem deutschen Staat 6,55 Mrd. EUR ein und legte die regulatorische Grundlage für den 5G-Ausbau. Sieben Jahre später ist die Versorgungssituation in DACH differenziert genug, dass pauschale Aussagen — „5G ist überall” oder „5G ist enttäuschend” — beide an der Realität vorbeigehen.
Die Bundesnetzagentur weist in ihrem Tätigkeitsbericht 2025 für Deutschland eine flächenmäßige Versorgung von 96,4 Prozent für mindestens einen 5G-Anbieter aus. Die drei etablierten Netzbetreiber Telekom Deutschland, Vodafone und Telefónica O2 haben das Auflagenmaß ihrer Frequenzzuteilung damit deutlich übererfüllt; verbleibende weiße Flecken konzentrieren sich auf dünn besiedelte Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und in den Mittelgebirgen. Vodafone gibt im Jahresbericht 2025 eine Bevölkerungsabdeckung mit 5G von 96 Prozent an, die Telekom liegt bei 98 Prozent, Telefónica O2 bei 95 Prozent.
Der vierte Netzbetreiber
Die 1&1 Mobilfunk GmbH aus Montabaur hat im Dezember 2023 als vierter deutscher Mobilfunk-Netzbetreiber den kommerziellen Betrieb aufgenommen. Die Architektur ist anders als bei den drei Etablierten: 1&1 setzt auf ein Open-RAN-Netz, bei dem die Basisstationen aus Komponenten unterschiedlicher Hersteller — Rakuten Symphony, NEC, Mavenir — bestehen und über offene Schnittstellen kommunizieren. Das Modell sollte die Abhängigkeit von den drei großen Ausrüstern Ericsson, Nokia und Huawei reduzieren und niedrigere Betriebskosten ermöglichen.
Die Versorgung von 1&1 erreichte zum 31. Dezember 2025 nach Angaben des Unternehmens 1.300 aktive 5G-Standorte, was rund elf Prozent der Bevölkerung entspricht. Der Ausbau bleibt damit hinter dem ursprünglichen Plan zurück. Wo 1&1 keine eigene Antenne errichtet hat, greifen Kunden über National Roaming auf das Vodafone-Netz zu. Die Bundesnetzagentur hat das Roaming-Abkommen bis Ende 2030 zugelassen, danach soll 1&1 vollständig autonom sein. Ob diese Frist gehalten wird, gilt unter Netzökonomen als offen.
Standalone, Non-Standalone und die Frage der Latenz
Ein Teil der 5G-Versprechen — Latenzen unter zehn Millisekunden, Network Slicing für Industrie-Anwendungen — wird erst mit der Standalone-Architektur (5G SA) eingelöst, in der nicht nur die Funkschnittstelle, sondern auch der Kern des Netzes auf 5G-Technologie basiert. Bis 2024 betrieben die deutschen Netze überwiegend 5G im Non-Standalone-Modus (NSA) mit LTE-Kern. Die Telekom hat im Juli 2024 als erster deutscher Netzbetreiber 5G SA flächendeckend für Endkunden geöffnet, Vodafone folgte im November 2024, Telefónica O2 im April 2025. 1&1 ist als Open-RAN-Netz von Beginn an Standalone konzipiert.
Die Frequenz-Landschaft ist gewachsen. Neben den 2019 versteigerten Bändern bei 2 GHz und 3,6 GHz wurde 2025 das 700-MHz-Band um zusätzliche Kapazität ergänzt, und die Vergabe der mmWave-Frequenzen bei 26 GHz lief im Herbst 2025. mmWave bleibt in der deutschen Realität ein Phänomen für ausgewählte Hotspots — Stadien, Flughäfen, Industrieanlagen — und nicht für die Flächenversorgung. Die physikalischen Eigenschaften der Wellen, die Wände schlecht durchdringen, machen einen breiten Ausbau wirtschaftlich unattraktiv.
connect-Netztest 2025 und der DACH-Vergleich
Der jährliche connect-Netztest, der seit 1993 in Zusammenarbeit mit umlaut und Zafaco durchgeführt wird, gilt als die etablierteste Vergleichsmessung der DACH-Mobilfunknetze. Die Ausgabe 12/2025 vergab die Note „sehr gut” an Telekom und Vodafone, „gut” an Telefónica O2 und „befriedigend” an 1&1. In Österreich erhielt Magenta Telekom die Bestnote, gefolgt von A1 und Drei. In der Schweiz lag Swisscom vorn, vor Sunrise und Salt.
In Österreich hat die A1 Telekom Austria im Februar 2026 erklärt, mit 98 Prozent Bevölkerungsabdeckung den höchsten 5G-Wert im DACH-Raum zu erreichen. Magenta Telekom und Drei liegen jeweils oberhalb von 95 Prozent. Die Schweizer Anbieter Swisscom, Sunrise und Salt operieren mit einer Sondersituation: die strengen NIS-Grenzwerte der Schweizer Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung erschweren den Ausbau leistungsfähiger Antennen erheblich. Swisscom gibt für 2025 eine 5G-Abdeckung von 99 Prozent an, davon allerdings nur 80 Prozent in der schnelleren 5G+-Variante. Die Diskussion um eine Anpassung der NIS-Grenzwerte läuft im Schweizer Parlament seit 2022; eine Entscheidung steht aus.
Was sich aus der Summe der Zahlen ableiten lässt: Die Versorgung ist in DACH 2026 weitgehend angekommen, die Qualität variiert. Wer in einer mittleren Großstadt lebt, hat fast überall 5G in einer Variante, die das Versprechen halbwegs einlöst. Wer auf dem Land lebt, hat in vielen Fällen 5G, in manchen Fällen LTE, in wenigen Fällen Funklöcher, die in einem Industrieland überraschen.