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App · No. I

Zwei Jahre DMA: Sideloading auf iOS in der EU — eine nüchterne Bilanz

Seit dem 7. März 2024 ist Sideloading auf iOS in der EU rechtlich möglich. Wer hat das Recht genutzt, welche Plattformen tragen sich wirtschaftlich, und was bedeutet die Core Technology Fee in der Praxis?

Eine Verordnung, drei Jahre nach Inkrafttreten

Der Digital Markets Act, formal Verordnung (EU) 2022/1925, ist seit dem 7. März 2024 für die als Gatekeeper benannten Plattformen unmittelbar anwendbar. Für iOS in der Europäischen Union heißt das: Apple muss alternative App-Marktplätze und die direkte Distribution von Anwendungen außerhalb des App Store zulassen. Mehr als zwei Jahre später lässt sich ein nüchternes Zwischenfazit ziehen — eines, das weder die Hoffnungen der App-Entwickler-Vereinigungen noch die Warnungen aus Cupertino vollständig bestätigt.

Das Recht auf Sideloading existiert in der EU faktisch, wird aber wirtschaftlich von einer Konstruktion ausgebremst, die Apple im Frühjahr 2024 unter dem Titel „Alternative Business Terms” einführte: die Core Technology Fee, kurz CTF. Sie schlägt mit 0,50 EUR pro Erstinstallation einer App in einem Zwölfmonatszeitraum zu Buche, sobald die App jährlich mehr als eine Million Installationen erreicht. Für nicht-kommerzielle Open-Source-Projekte, Studierenden-Konten und kleine Entwickler unterhalb der Schwelle gilt die Gebühr nicht — eine Klarstellung, die Apple in den überarbeiteten Konditionen vom Mai 2025 ausdrücklich festschrieb.

Drei alternative Marktplätze, drei Geschäftsmodelle

Drei alternative App-Marktplätze haben sich auf iOS in der EU etabliert. AltStore PAL, betrieben von Riley Testut, war im April 2024 der erste zugelassene Marktplatz. Das Geschäftsmodell finanziert sich über eine Jahresgebühr für Endnutzer in Höhe von 1,50 EUR sowie über Pro-Tier-Abos für ausgewählte Anwendungen wie den Game-Boy-Emulator Delta. Setapp Mobile, der mobile Ableger des Setapp-Abonnement-Dienstes von MacPaw aus Kiew, startete im Sommer 2024 und bietet ein kuratiertes App-Bündel zum Pauschalpreis. Der Epic Games Store iOS, im August 2024 gestartet, fokussiert sich auf Spiele und führte mit Fortnite den Titel zurück auf iOS, der Apple 2020 aus dem App Store entfernt hatte.

Die Nutzerzahlen, die im Frühjahr 2026 öffentlich verfügbar sind, bleiben hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Eine im Februar 2026 veröffentlichte Erhebung der European Consumer Organisation BEUC schätzt den Anteil der iOS-Nutzer in der EU, die mindestens einen alternativen Marktplatz installiert haben, auf rund vier bis sechs Prozent. Die Zahl ist im Vergleich zum Sommer 2024 gewachsen, bleibt aber weit unter den Marktanteilen, die etwa der Samsung Galaxy Store auf Android-Geräten erreicht.

Der Vergleich mit Google Play

Auf Android-Seite war Sideloading bereits seit der ersten Plattform-Version möglich, der Google Play Store ist aber durch tiefe Integration ins Betriebssystem die dominante Verteilung geblieben. Die Provisions-Struktur von 30 Prozent — beziehungsweise 15 Prozent für Small Business und für Abonnement-Erlöse ab dem zweiten Jahr — gleicht der von Apple. Auch Google hat in Reaktion auf den DMA das Modell der „User Choice Billing” ausgeweitet, in dem Entwickler eigene Bezahlanbieter integrieren dürfen und im Gegenzug eine reduzierte Provision von typisch 26 Prozent statt 30 Prozent zahlen.

Die Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission gegen Apple wegen der CTF und die Untersuchungen gegen Google wegen der mangelhaften Umsetzung der Anti-Steering-Regeln laufen weiter. Im Oktober 2025 verhängte die Kommission gegen Apple ein Zwangsgeld in Höhe von 500 Mio. EUR, das die spezifischen Auflagen für die Behandlung von App-Marktplätzen im App Store präzisierte. Apple hat Klage vor dem Gericht der Europäischen Union eingereicht; eine Entscheidung wird frühestens 2027 erwartet.

Was die Praxis zeigt

Für Endnutzer in DACH stellt sich Sideloading auf iOS Mitte 2026 als technisch zugängliches, aber wirtschaftlich randständiges Phänomen dar. Wer einen Marktplatz wie AltStore PAL installiert, tut dies meist gezielt für eine bestimmte Anwendung — etwa für Emulatoren, für Clipboard-Tools mit erweiterten System-Zugriffen oder für Open-Source-Browser, die nicht auf WebKit basieren. Apple gab im Sommer 2025 die WebKit-Pflicht für Browser in der EU auf, was alternativen Engines wie Geckoview von Mozilla oder Blink in der Chromium-Variante den Eintritt eröffnet hat. Mozilla startete Firefox für iOS mit Gecko-Engine in der EU im November 2025.

Die Verbraucherschutz-Sicht der Stiftung Warentest, formuliert in einer Marktübersicht im test-Heft 03/2026, ist verhalten: Wer im Standard-App-Store bleibt, verliert wenig — die meisten relevanten Anwendungen sind dort verfügbar, der Update-Mechanismus ist verlässlich, und das Datenschutz-Niveau wird durch das App Tracking Transparency-Framework gestützt. Sideloading bleibt eine Option für technisch versierte Nutzer und für eine wachsende, aber überschaubare Zahl spezialisierter Anwendungen. Die Marktstruktur, die der DMA herstellen wollte, ist im Entstehen — sie ist 2026 aber noch nicht erreicht.


Ressort: App